Neujahrsvorsätze

noz.de
Created By noz.de
On 2019 M01 14
Help Translate This Item

Doch jetzt ist noch nicht der Punkt, an dem wir aufgeben. Jetzt ist der Punkt, an dem wir unsere Vorsätze einnetzen.

Wir beginnen mit unserem Ziel

Getty Images

Geben wir es zu: Wir leben doch eigentlich ganz gut und genießen unser Leben. Daher darf man zuerst herausfinden, warum man das in der Neujahrsnacht gelallte Versprechen überhaupt einhalten möchte. „Das ,Warum?' muss so konkret wie möglich sein. Also warum nehme ich mir etwas Neues vor? Was will ich damit erreichen? Wie will ich mich fühlen, wenn ich es erreicht habe?“, erklärt Tina Eschle. Die Flensburgerin ist Coach für Zeitmanagement.

Tina Eschle
Ich habe mir Ziele gesetzt. Vorsätze klingt allein von der Kommunikation her quatschig. So als würde ich mir etwas vorsetzen.
Tina Eschle, Coach für Zeitmanagement

Das Ziel sollte zu mir passen. Und es muss auch gar nicht die absolute Askese sein.

"Statt ganz auf Schokolade zu verzichten, kann man achtsam Produkte auswählen, die einen geringeren Zuckergehalt haben und Fair Trade sind, so dass sie etwas Besonderes sind", empfiehlt Eschle. Die handelsübliche Supermarktschokolade mag sie inzwischen gar nicht mehr.

Ohne intrinsische Motivation, also eigenes Wollen, geben wir schnell auf, wenn das Ziel außerhalb unserer Komfortzone liegt.

Dabei lohnt es sich, ein wenig tiefer zu graben. Vielleicht ist ja weniger der Beachbody mein Ziel, sondern lange gesund zu leben und meine Kinder als Erwachsene kennen zu lernen. Oder im Alter mit dem Wohnmobil um die Welt zu juckeln. Oder schlicht nie aufzuhören zu tanzen.

Auch wenn es mehrere Ideen gibt: Am besten starten wir mit einem neuen Ziel. Ansonsten geht es uns wie dem Retriever im Video: Weder fokussieren wir das (von anderen gesetzte) Ziel, noch können wir uns so recht entscheiden, womit wir denn anfangen sollen.

youtube embed goes here!

So sympathisch der Retriever auch ist, wir wollen uns bei unserem Ziele nicht verheddern. Deshalb schreiben wir es uns unser Ziel am besten auf. Und dann checken wir:

  • Ist das Ziel spezifisch? "Weniger Süßes" ist es jedenfalls nicht. Denn "weniger" ist ein dehnbarer Begriff - und was dehnbar ist, wird auch gedehnt.
  • Woran merke ich eigentlich, wenn ich mein Ziel erreicht habe? Kann ich das irgendwie messen?
  • Mag ich mein Ziel - oder halte ich es wie der Retriever und habe etwas ganz anderes vor?
  • Hand aufs Herz: Ist das Ziel denn realistisch? Protipp: Die meisten Diätversprechen sind es nicht.
  • Und schließlich: Bis wann will ich mein Ziel erreicht haben?


Und weil es für alles schlaue Formeln gibt, kann man sich seine Ziele anhand der SMART-Formel definieren.

Die Punkte der SMART-Formel

Unseren Plan halten wir am besten schriftlich fest. Statt „Mein Vorsatz für 2019 ist…“ können wir sagen „Ich beschließe 2019 … zu tun“, empfiehlt Tina Eschle. Wenn das Ziel nun feststeht, fehlt ja nur noch der Weg.

Ich möchte mir...

Wer etwas weglassen oder reduzieren möchte, braucht:

- eine kleine Analyse
- einen Ersatz
- ein geeignetes Umfeld

Wer etwas weglassen oder reduzieren möchte, braucht:

- eine kleine Analyse
- einen Ersatz
- ein geeignetes Umfeld

Zuerst schauen wir, wie es zur Angewohnheit kommt, die wir loswerden wollen:

Wann tritt die schlechte Gewohnheit auf?
Wie fühle ich mich davor? Genervt, hungrig, traurig?
Welche Personen sind da? An welchem Ort bin ich?
Wie fühle ich mich danach?
Was ist das Positive dieser Angewohnheit?

Wenn wir unsere "Skripte" kennen, wissen wir, wie wir sie umschreiben können.

Tina Eschle gibt ein Beispiel: "Was ist die Positive Absicht hinter dem Rauchen?" Es könnte der Grund für fünf Minuten Pause sein oder die Möglichkeit, kurz mit den Kollegen zu reden. Dann kommt die Frage: "Wie kann ich dies ohne rauchen erreichen?"

Ersetzen statt abgewöhnen

Wer etwas weglassen oder reduzieren möchte, kann sich mit einem Ersatz helfen. Zum Beispiel Selbstgekochtes statt Fertiggerichte oder Mineralwasser statt Cola. Hier dürfen wir kreativ sein und gucken, was zu uns (und der Situation) passt.


Wer sich etwas angewöhnen möchte, darf

- Zeit dafür einplanen
- die Aufgabe in Häppchen einteilen
- ein geeignetes Umfeld schaffen

Wer sich etwas angewöhnen möchte, darf

- Zeit dafür einplanen
- die Aufgabe in Häppchen einteilen
- ein geeignetes Umfeld schaffen

Zeit einplanen

Wir wollen etwas zu unserem Leben hinzufügen. Doch wenn der Alltag schon recht voll ist, dann sollten wir auch wissen, wo wir unser Vorhaben hineinpuzzeln können. Was müssen und wollen wir aufgeben? Bitte nicht am Schlaf knapsen.

5 Minuten-Methode

Wenn unsere neue Angewohnheit stark vom bisherigen Alltag abweicht, dürfen wir klein anfangen. „Kleine Schritte festlegen“, empfiehlt Tina Eschle. „Das fängt z.B. damit an, sich erstmal nur die Laufschuhe anzuziehen. Die Frage ist: Wie klein kann ich werden?"

"Wenn ich gar keine Lust habe, mache ich Fünf-Minuten-Deals", sagt Eschle. "Wenn es sich dann falsch anfühlt, dann höre ich auch auf. Aber meist werden aus den fünf Minuten zehn oder 20."

Erster Schritt für eine neue Gewohnheit: Wir wiederholen unsere Tätigkeit so oft, bis sie sitzt. "Wenn wir Dinge 30 Tage machen, fahren wir irgendwann wie auf Autopilot. Schließlich ist das Anfangen manchmal schwieriger als das Weitermachen.

Das Umfeld für mein Ziel

Wir dürfen davon ausgehen, dass wir nicht nur starke Momente haben. In solchen Situationen hilft es, wenn wir unser Umfeld so eingerichtet haben, dass es wenige Hürden gibt.

Wer morgens meist in Eile ist, packt die Sporttasche am Abend vorher. Doch eine neue Gewohnheit muss nicht nur zeitlich in den Alltag passen. Suchen wir uns also Gleichgesinnte und Gruppen. Ewige Lästerer müssen von unseren Ideen nichts erfahren. Aber Freunde und Verwandte, die uns unterstützen, können wir in unser Vorhaben einweihen. Dann bekommen wir beim nächsten Familienfest auch kein drittes Stück Kuchen aufgedrängt.

Simpel aber wirkungsvoll: Was wir nicht in Griffweite haben, wird auch nicht so schnell achtlos konsumiert. Es ist leichter, im Supermarkt an der Schokolade vorbeizugehen, als abends völlig erschöpft dem Süßen zu widerstehen. Unser neuer Weg beim Einkaufen führt also schnurstracks an den bunten Verlockungen vorbei.

Anders herum geht es auch: Wenn immer frisches Obst im Haus ist, essen wir davon mehr.

Wie bleibe ich dran?

Das Ziel ist fokussiert und eingeplant und die ersten Tage haben wir ja ganz gut vorgelegt. Jetzt ist unser Schritt: Weitermachen, wenn die ersten Hürden und Hindernisse kommen. Ein Ausreißer ist kein Grund, alle Vorhaben hinzuschmeißen.

Winston Churchill
Erfolg heißt, einmal mehr aufstehen als hinfallen.
Winston Churchill

Und so sollte man seine Misserfolge nicht zu schwer nehmen, sondern als Gelegenheit sehen, etwas daraus zu lernen. Die Herausforderung: Das Gehirn mag Änderungen nicht so gerne. "Unser limbisches System sagt uns, dass wir jedes Mal, wenn wir unsere Komfortzone verlassen, einer Gefahr begegnen könnten". erklärt Tina Eschle. Die Urangst: Vor der Höhle könnte der Säbelzahntiger lauern.

"Wir sollten uns unsere Ängste genau angucken und abwägen: Was ist das Schlimmste, was wirklich passieren könnte", sagt Eschle. Oftmals ist es ja gar nicht so schlimm.

Tina Eschle
Außerhalb der Komfortzone liegt Entwicklung. Da ist es spannend.
Tina Eschle, Coach für Zeitmanagement

Ziele erreichen

Tina Eschle empfiehlt, sich für ein erreichtes Ziel zu belohnen. „Sonst gehen wir im Leben immer nur von Ziel zu Ziel. Es macht Sinn, ein Ritual einzuführen, mit dem man Erfolge feiert." Sie selbst gönne sich dann im Restaurant ein Steak.

Um dranzubleiben helfen diese Wörter.